«Wir alle haben genug von der Abstiegsrunde»

Am 29. August startet Rotweiss Thun auswärts in St. Gallen in die neue SPL1-Saison. Das Trainerduo Yvonne Leuthold und Dirk Lindner will mit seinem Team die Fortschritte bestätigen und den Sprung in die Finalrunde schaffen. 

 
Wir stehen am Anfang einer neuen Saison. Wie ist die Vorbereitung verlaufen? 

Yvonne Leuthold: Die Stimmung ist gut, alle ziehen am gleichen Strick. Der Fokus lag am Anfang vor allem auf dem Athletischen. Ich finde, das hat der Mannschaft gutgetan. Ich sehe Fortschritte und bin mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. 

Dirk Lindner: Die Athletik legt einfach die Basis für temporeichen und intensiven Handball. Am Anfang der Vorbereitung lag der Fokus auf allgemeiner Kraft und Handball-Basics/Technik. Anschliessend stand mehr die Schnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer im Vordergrund. Im zweiten Teil der Vorbereitung arbeiteten wir dann vorrangig im taktischen Bereich, wobei immer wieder Athletik-Blöcke eingeschoben wurden. 

In der Saisonvorbereitung seid ihr drei Mal gegen deutsche Teams angetreten. Hat das einen bestimmten Grund? 

Yvonne Leuthold: Dirk hat seine Beziehungen nach Deutschland spielen lassen. Für mich war das super, weil wir so einmal gegen andere Gegner antreten konnten. Deutsche Teams spielen immer mit Tempo, spielen immer auf einem guten Niveau. Gegen solche Mannschaften sieht man, wo man in der Vorbereitung steht. Ich glaube, auch für die Spielerinnen ist es cool, gegen Mannschaften zu spielen, die sie nicht kennen; die vielleicht einen etwas anderen Stil pflegen, als wir es aus unserer Liga gewöhnt sind. 

Dirk Lindner: Wir haben bewusst die Herausforderung und somit Gegner gesucht mit einem guten Niveau, das vielleicht auch ein bisschen höher ist als unseres. Gegen Teams aus der 2. Bundesliga oder der 3. Liga zu spielen, ist auch körperlich und bezüglich der Erfahrung dieser Spielerinnen etwas anderes. 

Ihr seid jetzt in der dritten Saison als Trainerduo zusammen. Wie hat sich euer Team in dieser Zeit entwickelt? 

Yvonne Leuthold: Erfreulich ist, dass die Mannschaft mehr oder weniger zusammengeblieben ist. Wir haben schon in den letzten beiden Saisons eine Basis gelegt, auf der wir jetzt aufbauen können. Im Mentalen hat das Team sicher die grössten Fortschritte gemacht. Als ich übernahm, lag eine Vorrunde mit 0 Punkten aus 14 Spielen hinter dem Team. Das war damals in der Abstiegsrunde für uns dann doch ein rechtes Stück Arbeit, auch im mentalen Bereich, um da die Kurve noch zu kriegen. 

Dirk Lindner: Vor allem bei den jungen Spielerinnen sieht man einen grossen Entwicklungsschritt. Aber auch erfahrene Akteurinnen haben sich im spielerischen und technischen Bereich weiterentwickelt.  

Wo seht ihr noch Potenzial mit dieser Mannschaft? 

Dirk Lindner: Einige hadern noch zu sehr mit sich. Stichwort Fehlerverarbeitung. Dann die Präzision bei taktischen Auslösungen: Nicht nur zu wissen, wohin man laufen müsste, sondern im Spiel dann auch zu sehen, wo die richtige Lücke ist oder wo wir eine Überzahl generieren können. Stichwort Spielübersicht und Spielverständnis. 

Yvonne Leuthold: Ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen, ist die Kaltblütigkeit in den entscheidenden Situationen. Wir hatten letzte Saison ein paar Spiele, da lagen wir mit einem oder zwei Toren vorne, haben es aber verpasst noch weiter wegzuziehen, weil wir fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen sind. Die Folge: Das Spiel wurde wieder knapp oder hat gedreht. 

Wie wird man kaltblütiger? 

Yvonne Leuthold: Indem man versucht, im Training solche Situationen zu simulieren, dass wir den Fokus auch in den Trainingsspielen darauflegen, dass wir die Tore machen. Und dann sind wir auch schnell wieder beim Mentalen. 

In welchen Bereichen der Trainerarbeit profitiert ihr am meisten voneinander?  

Yvonne Leuthold: Eigentlich fast in allen Bereichen! Dirk hat eine riesige Erfahrung. Ich bin manchmal wie ein Schwamm und sauge alles auf. Ich schaue mir wirklich vieles ab und mache mir auch mal Notizen.  

Und umgekehrt? 

Dirk Lindner: Mich beeindruckt ihre ruhige Art. Ich bin halt ein bisschen impulsiver… Wichtiger als die Frage, wer was vom anderen lernt, ist für mich allerdings, welchen Einfluss zwei unterschiedliche Trainertypen auf die Mannschaft haben. Ich denke, es ist gut fürs Team, zwei Trainer zu haben, die vom Stil her total unterschiedlich sind. 

Wie meinst du das? Funktioniert ihr nach dem Prinzip Good Cop, Bad Cop? 

Yvonne Leuthold: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich glaube, es ist situationsabhängig, ob ich Good Cop oder Bad Cop bin (lacht). Und bei dir ebenso. Aber ja, ich glaube, unsere unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich ziemlich gut. 

Welche Ziele habt ihr euch für die neue Saison gesetzt? 

Yvonne Leuthold: Wir alle haben von der Abstiegsrunde genug und wollen in die Finalrunde. Zwei Saisons lang haben wir jetzt gesagt, dass wir es können. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir es draufhaben. Daneben haben wir auch teaminterne Ziele, die nicht allein vom Resultat abhängen. Da sind wir zum Beispiel wieder beim Auftritt als Team. 

Was muss sich ändern, damit man in dieser Saison die Finalrunde erreicht und ums Playoff spielen kann? 

Dirk Lindner: Es wird natürlich nicht einfach, weil alle Teams das Ziel haben, dahin zu kommen. Idealerweise schaffen wir es, nicht nur gegen die direkten Gegner zu gewinnen, sondern ab und zu auch gegen stärker eingestufte Teams zu punkten. Ich glaube, dass wir jetzt bereit sind, den Schritt nach vorne zu machen. Wenn es am Ende nicht reicht, aber wir sagen können: Hey, wir haben alles gegeben, dann ist es zwar ärgerlich, aber dann können wir das akzeptieren.  

Zum Schluss habt ihr einen Wunsch frei: Was wünscht ihr euch für die neue Saison? 

Yvonne Leuthold: Ich wünsche mir, dass wir das, was wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben, in die Saison mitnehmen. Dass man sieht: Das ist eine Mannschaft, die füreinander spielt und die alles gibt, egal was ist. Und dass wir vor Verletzungen verschont bleiben.  

Dirk Lindner: Da schliesse ich mich Yvonne gerne an. Und ausserdem wünsche ich mir, dass wir es gemeinsam schaffen, etwas mehr Leute in die Halle zu bewegen und ihnen zu zeigen, dass hier bei Rotweiss Thun richtig guter Frauensport geboten wird.  

Nach oben scrollen